Osteuropa / Kaukasus / Zentralasien
Die Forschungsgruppe „Osteuropa/Kaukasus/Zentralasien" widmet sich den gesellschaftlichen, ökonomischen wie politischen Entwicklungsprozessen in Osteuropa, im Kaukasus und in Zentralasien. Spätestens seit den so genannten farbigen Revolutionen in der Ukraine, Georgien und Kirgistan wurde in den letzten Jahren immer deutlicher, dass die vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer reichende Region aus geostrategischer, ökonomischer und politischer Sicht in einen größeren analytischen Rahmen zu setzen ist. Während die Schwarzmeerregion durch die Osterweiterungen immer näher an die EU und die NATO rückt, kann Russland seine im vormals „Nahen Ausland" etablierte Hegemonialstellung nur noch sehr begrenzt aufrechterhalten. Auch Zentralasien rückt immer mehr in den Fokus des europäischen und US-amerikanischen Interesses. Andererseits sind die Transformationsprozesse in den einzelnen Staaten Osteuropas, des Südkaukasus und Zentralasiens noch lange nicht abgeschlossen. Das Beharren auf den herkömmlichen Herrschaftsstrukturen, die zögerliche Entwicklung politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Bewegungen sowie der Mangel an Reformen zur Umsetzung von Dezentralisierung sind nur einige, wenngleich zentrale Aspekte, welche die Entwicklungsprozesse in diesen noch jungen Nationalstaaten - darunter auch Russland - behindern.
Die KFIBS-Forschungsgruppe möchte dazu beitragen, Hintergründe zu und Zusammenhänge von ökonomischen, innen-, außen- und sicherheitspolitischen Entwicklungen in Osteuropa, im Südkaukasus und in Zentralasien in einen überregionalen Kontext einzubetten.
Die Arbeitsschwerpunkte der Forschungsgruppe „Osteuropa/Kaukasus/Zentralasien" lauten wie folgt:
I. Geografisch:
- Russland, Ukraine, Belarus, Moldova
- Georgien, Armenien, Aserbaidschan
- Nordkaukasus (v. a. Tschetschenien)
- Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Mongolei
- Kaspische Region
II. Thematisch:
- Energiepolitik
- Sicherheitspolitik
- Nationale Innen- und Außenpolitiken
- Integrations- und Transformationsprozesse innerhalb der GUS
- Theorie und Praxis ziviler Konfliktbearbeitung und Vermittlungsmethoden externer Akteure, OSZE- und VN-Missionen
- Ethnische Konflikte und Konfliktregulierung
- Demokratisierungsprozesse
- Wahlbeobachtungen
- Soziopolitische Geschichte
- Eliten und Regionalismus
- Nation-Building-Prozesse und sozialer Wandel
- Einfluss externer Faktoren auf den Verlauf soziopolitischer Reformen in zentralasiatischen Staaten
Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:
Beiträge zu diesem Themenbereich:
Russland-initiierte Integrationsstrukturen in der GUS-Region: Zukunftsfähig oder zum Scheitern verurteilt?
[Analyse]
Deutsche Ausgabe 1/08
Seit den 1990er-Jahren verfolgt Russland innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) eine Integrationspolitik, in deren Rahmen mittlerweile eine Reihe kleinerer Unionsgebilde entstanden sind. Seit 2003 versucht Russland, diese Integration, die im Kern gescheitert ist, zu reaktivieren. Die Integrationsprozesse im Rahmen der EU und der NATO werden als Konkurrenzmodelle betrachtet - Russland versucht, in einem geopolitisch verstandenen Wettstreit mit dem Westen nicht zu verlieren. Weil heutzutage die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Integrationsmodell nicht existieren, wäre es für Russland insgesamt vorteilhafter, individuelle Strategien für bilaterale Beziehungen mit den GUS-Staaten zu entwickeln, anstatt zu versuchen, eine neue Allianz gegen „Farbige Revolutionen" zu bilden.
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Erster Kontakt mit entfernten Verwandten: EU-Aktivitäten in der „Erweiterten Schwarzmeerregion“
[Analyse] (Deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels!)
Englische Ausgabe 2/07
With the accession of Bulgaria and Romania to the European Union the EU finally realized that the entire Black Sea region is of great importance for Europe in terms of economics, energy and security questions. Thus, the EU's geopolitical focus had to be reconsidered. Up until then, the approaches were multi-dimensional: EU initiatives ran parallel to enhanced bilateral co-operation between single EU states and countries in the Black Sea region. A consistent European strategy is still missing. Meanwhile, the Black Sea is not yet recognized as a "European" Sea. Georgia, Armenia, Azerbaijan and Moldova are state names, which are hardly familiar to average Western European citizens. But what is the reason for this lack of knowledge? And what, as a matter of fact, does the Wider Black Sea region mean and what does it include? What are the challenges and opportunities of a future EU-Black Sea co-operation? This analysis aims at giving some possible answers to these relevant questions.
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Die Energiepolitik Russlands: Strategien, geopolitische Ausrichtungen und Ambitionen
[Studie]
Deutsche Ausgabe 2/07
Nach zahlreichen Transformationsprozessen seit dem Zerfall der Sowjetunion (SU) im Jahr 1991 entwickelt sich Russland allmählich zu einem einflussreichen Akteur der internationalen Politik. Das große Energiepotenzial des Landes spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Das Land ist bestrebt, sich als wichtiger Exporteur von Kohlenwasserstoffen auf dem internationalen Energiemarkt zu etablieren und den Status einer Energiemacht im eurasischen Raum zu erlangen.
Die folgende Studie versucht, diese Tendenz in der Entwicklung der russischen Energiepolitik darzustellen und zu analysieren. Es werden dabei primär die Strategien der russischen Regierung und Energiekonzerne gegenüber der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der Europäischen Union (EU) sowie der ostasiatisch-pazifischen Region behandelt.
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Die Ukraine nach den Parlamentswahlen 2006: Ein Land zwischen innerer Spaltung und politischem Wandel
[Essay]
Deutsche Ausgabe 4/06
Die so genannte Orangene Revolution Ende 2004 weckte bei vielen Ukrainern die Hoffnung auf grundlegende politische Veränderungen in ihrem Land. Aber die folgenden Monate und Jahre zeigten nicht nur die tiefe innere Spaltung des Landes, sondern auch den offenen Disput der politischen Kräfte - und hier insbesondere die Querelen innerhalb des „orangenen Lagers". Am deutlichsten konnte man diese Entwicklung bei den Parlamentswahlen vom 26. März 2006 beobachten. Im nun folgenden Essay werden die politischen Vorgänge nach den Wahlen 2006 sowie die damit verbundenen mühsamen Versuche der Koalitionsbildung geschildert und bewertet.
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Von den „kleinen Konflikten“ und ihrem großen Gefahrenpotenzial: Die Gewaltökonomie und die Schattenwirtschaft – vergessene Teilursachen des internationalen Terrorismus?
[Analyse]
Deutsche Ausgabe 3/06
Die Rolle der Gewaltökonomie für die Entwicklung ganzer Weltregionen blieb lange Zeit vom wissenschaftlichen Diskurs über die „neuen“ Kriege unberührt. Dass dieser Bereich zentraler Bestandteil der aktuellen terroristischen Bedrohungslage ist, die den „Westen“ seit dem 11. September 2001 in Atem hält, ist eine wichtige Erkenntnis, die aus der derzeitigen Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex resultiert. Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Gewaltökonomie und mit dem Zusammenhang von Globalisierung und Schattenglobalisierung, wie ihn bereits Peter Lock in die wissenschaftliche Literatur eingeführt hat, erscheint dringend erforderlich zu sein, um fruchtbare Analysen aktueller Konfliktszenarien – speziell im Bereich der so genannten kleinen Konflikte – hervorzubringen.
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100 Tage danach: Nach den Parlamentswahlen in Tschetschenien ist ein „demokratischer Wandel“ immer noch in weiter Ferne
[Kommentar]
Deutsche Ausgabe 1/06
Schon im Vorfeld der Wahlen in Tschetschenien im November 2005 stand fest, dass diese nicht die Bezeichnung „frei und fair“ verdienen würden. Einhundert Tage nach den Wahlen, aus denen die Putin-Partei „Einiges Russland“ – wie erwartet – als überlegener Sieger hervorgegangen war, ist nun Ramzan Kadyrow zum Premierminister ernannt worden. Die Aussichten auf einen echten demokratischen Wandel in der Kaukasusrepublik sind damit jedoch in weite Ferne gerückt.
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Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine: Durchtrennt die Ukraine womöglich die Nabelschnur zum „Mütterchen Russland“?
[Kommentar]
Deutsche Ausgabe 1/06
Die Auseinandersetzungen um den Gaspreis zwischen Russland und der Ukraine haben in letzter Zeit für großes Aufsehen in ganz Europa gesorgt. Dabei wurde vor allem die Zuverlässigkeit Russlands als Rohstofflieferant in Frage gestellt. Allerdings hat dieser Gaskonflikt auch die innenpolitische Situation in der Ukraine nachhaltig beeinflusst; die Verfassungsreform und die Vorbereitungen auf die anstehenden Parlamentswahlen spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesem Kontext stellt sich folgende Frage: Welche politischen Konsequenzen könnte und sollte die Ukraine aus dieser Konfrontation mit dem mächtigen Nachbarland ziehen? Der vorliegende Kommentar versucht, darauf eine adäquate Antwort zu geben.
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Tschetschenien: Bedingungen der Gewalt in einem vergessenen Krieg
[Studie]
Deutsche Ausgabe 4/05
Der Tschetschenienkonflikt ist integraler Bestandteil der Krisenregion des Kaukasus, die für Europa aus geostrategischer Sicht immer wichtiger wird. Die Wahlen in Tschetschenien haben wieder einmal nur kurzfristig das mediale Interesse an diesem Konflikt in der Kaukasusrepublik geweckt. Die vorliegende Studie wirft einen kritischen Blick auf die Grundlagen des Konflikts, wie er sich heute darstellt: die Trias aus Kriminalität, militantem Islamismus und Terrorismus. Erweitert wird die Perspektive in diesem Kontext um die Rolle der EU als „Stabilitätsanker“ in dieser strategisch relevanten Grenzregion.
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