Naher / Mittlerer Osten

Bild Naher OstenDer Nahe und Mittlere Osten ist am Anfang des neuen Jahrtausends in das Zentrum internationaler Aufmerksamkeit gerückt. Im Westen ist das Bild der Region stark von religiösem Fanatismus, ökonomischer Rückständigkeit sowie von einer Gemengelage unterschiedlichster Konflikte geprägt, die oftmals gewalttätig ausgetragen werden. Dieses Bild wird der politischen, wirtschaftlichen, sozialen, ethnischen, kulturellen und religiösen Komplexität des Gebietes jedoch keineswegs gerecht.
Die Länder der Region bewegen sich in vielen Fällen in ähnlichen sozioökonomischen und politischen Problemfeldern. Das enorme Bevölkerungswachstum führt in Verbindung mit einem nicht übermäßig dynamischen Wirtschaftswachstum zu ökonomischer Stagnation. Aus diesem Schema scheren in jüngster Zeit vor allem die Mitglieder der Vereinigten Arabischen Emirate aus. Die Strukturen der Rentierökonomien sind zwar noch nicht gänzlich überwunden, es scheint aber mit Dubai als Handels- und Finanzzentrum eine wirtschaftliche „Boomregion" am Persischen Golf zu entstehen.
Politisch sind die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens bis auf wenige Ausnahmen weiterhin dem Autoritarismus verhaftet; aber selbst hier sind positive Entwicklungen zu beobachten: Es sind durchaus Anzeichen einer zögerlichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Öffnung zu erkennen, insbesondere in Marokko und Tunesien - aber auch in Ägypten und im Iran. Die demokratischen Kräfte in der Region sind jedoch tendenziell eher schwach ausgeprägt. Deswegen muss damit gerechnet werden, dass freie Wahlen mittelfristig vor allem dem politischen Islam, der bislang zumeist die größte Oppositionsgruppe stellt, einen Machtzuwachs bescheren werden.
Aus europäischer Perspektive ist das Erkenntnisinteresse an der Region enorm: Die geografische Nähe im erweiterten Mittelmeerraum ist für eine ganze Reihe von Koordinierungserfordernissen ausschlaggebend, so etwa in den Bereichen wirtschaftliche Kooperation/Ressourcensicherheit, Immigration und politische Stabilität. Da in Europa mittlerweile große ethnische Minderheiten mit Wurzeln im Nahen und Mittleren Osten leben, werden infolgedessen die regionalen Konfliktlinien immer wieder auch direkt nach Europa hineingetragen. Diese Entwicklung bleibt selbstverständlich nicht ohne Folgewirkung für die europäischen Gesellschaften.
Von weltpolitischer Relevanz ist der nach wie vor ungelöste israelisch-palästinensische Konflikt. Dieser hat nicht nur die Radikalisierung ganzer Generationen bewirkt, sondern hemmt auch die Entwicklungsmöglichkeiten der gesamten Region. Auf arabisch-muslimischer Seite befördert der Konflikt zudem kulturalistische Konfrontationsszenarien Huntington'scher Prägung, die im Westen seit „9/11" ebenfalls breite Zustimmung finden.
Der Regime Change der USA und ihrer „Koalition der Willigen" im Irak hat nicht nur einen zusätzlichen Unruheherd in der Region geschaffen sowie interkonfessionelle Spannungen innerhalb der muslimischen Welt hervorgerufen, sondern auch - wenngleich unfreiwillig - den Aufstieg Irans zu einer regionalen Mittelmacht befördert. Der damit in direkter Verbindung stehende Konflikt um das iranische Atomprogramm droht bereits zur nächsten regionalen militärischen Auseinandersetzung zu werden.
Geht es um das Thema „EU-Beitritt der Türkei", dem einzigen säkularen, demokratischen Staat mit einem überwiegend muslimischen Bevölkerungsanteil, so gehen die Meinungen in Europa auseinander: Die Einen sehen in der Türkei einen potenziellen „Brückenkopf" zwischen Orient und Okzident und ein unterstützenswertes Beispiel für die Vereinbarkeit von Demokratie und Islam sowie für die politische Integration der moderaten Islamisten. Die Anderen hingegen lehnen eine Vollintegration der Türkei in die EU mit Verweis auf ihre immer noch fragile Rechtsstaatlichkeit, den niedrigen Entwicklungsstand, die Außengrenze zum Irak und eine Definition der EU, die auf christlichen Werten basiert, strikt ab. In jedem Fall wird das künftige Verhältnis der EU zur Türkei von grundlegender Bedeutung für die EU selbst sowie für den gesamten Nahen und Mittleren Osten sein.

Insgesamt ist der Nahe und Mittlere Osten eine Region mit sehr komplexen sozioökonomischen, kulturellen und politischen Problemlagen - aber gleichzeitig auch eine Region mit einem enormen Entwicklungspotenzial. Die Politik der westlichen Staaten gegenüber der Region ist jedoch alles Andere als adäquat. Hieran anknüpfend will die KFIBS-Forschungsgruppe (durch fundierte Analysen und entsprechende Problemlösungsansätze) einen wissenschaftlichen Beitrag zur Verbesserung des Verständnisses von dieser weltpolitisch relevanten Region leisten.

Die Arbeitsschwerpunkte der Forschungsgruppe „Naher/Mittlerer Osten" lauten wie folgt:

I. Geografisch:

  • Afghanistan
  • Ägypten
  • Israel/Palästina
  • Irak
  • Iran
  • Libanon
  • Sudan
  • Syrien
  • Türkei

II. Thematisch:

  • Islamismus/Terrorismus
  • Politische Theorie im Islam
  • Israelisch-palästinensischer Konflikt
  • Politik, Gesellschaft und Kultur der Islamischen Republik Iran
  • Reformen in der arabischen Welt
  • Innen- und Außenpolitik ausgewählter Staaten des Nahen und Mittleren Ostens
  • Politische Systeme und innere Strukturen einzelner Länder der Region des Nahen und Mittleren Ostens
  • Türkei-EU-Beziehungen, türkisch-amerikanische Beziehungen sowie die Rolle des Militärs in der Türkei
  • Darfur-Krise, innenpolitische Entwicklungen des Sudans (etwa die Frage nach der Identität [arabisch oder afrikanisch - oder gar beides?] als wesentlicher Konfliktgegenstand innerhalb des Landes)
  • Transatlantische Politik gegenüber dem Nahen und Mittleren Osten
  • Euromediterrane Beziehungen/EU-Mittelmeerpolitik

Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:

Beiträge zu diesem Themenbereich:

Sudanesische Identität(en): Wege der Identitätsbildung in einem zerrissenen Land

[Studie]

Deutsche Ausgabe 1/09

Neben den bekannten Beispielen Somalia und Kongo gilt auch der Sudan als „gescheiterter Staat" bzw. failed state. Als wesentliches Hemmnis für den dort fehlgeschlagenen Nation-Building-Prozess müsse - so eine weit verbreitete Einschätzung - die problematische Identitätsbildung in Betracht gezogen werden. Da im Sudan auch weiterhin partikulare Identitäten oftmals gewaltsam miteinander konkurrieren, sei es nicht möglich gewesen, eine gesamtsudanesische Identität herauszubilden. Das Scheitern des Staatsprojektes Sudan und die damit verbundene ausufernde Gewalt müssten insbesondere darauf zurückgeführt werden.

Die vorliegende Studie untersucht anhand prägnanter Beispiele, auf welche Art und Weise sich Identität im Sudan konstituiert und welche Auswirkungen dies auf die gesamtsudanesische Entwicklung hat. Im Fokus hierbei stehen die Identitäten des Nordens und des Südens - aber darüber hinaus auch die Beja, die Nuba-Berge und Darfur.

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Integration oder Isolation? Überlegungen zum Umgang mit Hamas

[Analyse]

Deutsche Ausgabe 2/08

Nicht erst seit ihrer Machtübernahme im Gaza-Streifen im Sommer 2007 ist die Hamas einer der zentralen Akteure im israelisch-palästinensischen Konflikt; so scheint eine Neubelebung des Nahost-Friedensprozesses ohne ihre Einbindung nicht möglich zu sein. Die vorliegende Analyse zeigt, dass durchaus die begründete Hoffnung besteht, dass sich Hamas mittelfristig zu einem konstruktiven Akteur im nahöstlichen Friedensprozess entwickelt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass sich die einseitige Strategie der Isolation, wie sie von dem so genannten Nahost-Quartett und Israel gegenüber Hamas verfolgt wird, als kontraproduktiv für eine realitätstaugliche politische Lösung des Nahost-Konflikts erweist. Als analytisches Instrument gelangt das „Spoiler"-Konzept des Stanforder Politologen Stephen J. Stedman zur Anwendung.

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„The Great Game“ im Kaukasus: Das neue Strategiespiel zweier ungleicher Akteure. Der schwierige Spagat eines Interessenausgleichs zwischen den USA und der Türkei

[Analyse]

Deutsche Ausgabe 2/06

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (SU) Anfang der 1990er Jahre hat sich dem Westen eine unbekannte Region geöffnet, die bis zu jenem Zeitpunkt unter sowjetischer Herrschaft hermetisch abgeriegelt war. Natürliche Energieressourcen dieser Region gewinnen unter strategischen Gesichtspunkten zusehends an Bedeutung. Die Türkei als ein an den Kaukasus grenzendes NATO-Mitgliedsland spielt bei der Anbindung der frei gewordenen ehemaligen sowjetischen Satelliten an den Westen eine nicht unerhebliche Rolle. Sowohl Ankara als auch Washington versuchen seit den 90er Jahren eine kohärente Regionalpolitik unter Berücksichtigung Russlands und Irans zu verfolgen. Angesichts eigener nationaler Interessen ist dies aber oftmals mit großen Schwierigkeiten verbunden.

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Eine türkisch-zypriotische Perspektive: Rauf Denktasch und Nancy Crawshaw über Zypern

[Studie] (Deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels!)

Englische Ausgabe 2/06

The history of Cyprus is among one of the most well-researched and well-documented cases of any island in the world. While the history of Cyprus may be well-known and documented, the interpretations and implications of this history have been far from unified. Generally, for historical and geopolitical reasons, ethnic Greeks get a hearing in the West more easily than ethnic Turks do. Therefore – for the purpose of the available study – the author hopes to present a new perspective to the discourse that surrounds the island and the remarkable impact it has on world politics.

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Nach dem Irakkrieg 2003: Ankaras Versuch einer Schadensbegrenzung nach der Krise mit Washington

(Analyse)

Deutsche Ausgabe 2/05

Im Juni 2005 erfolgte der dritte offizielle Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Washington. Nach den Verstimmungen im Zuge des letzten Irakkrieges (2003) ist das redliche Bemühen um eine Revitalisierung der bilateralen Beziehungen deutlich erkennbar: Sowohl Ankara als auch Washington wissen um den Wert kooperativer und intakter Beziehungen; deshalb geht die Wiederannäherung auch von beiden Seiten aus.

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Die Bedeutung der Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei für Europa und die USA

(Analyse)

Deutsche Ausgabe 1/05

Nach zähen Verhandlungen hat sich der Europäische Rat am 17.12.2004 für die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ausgesprochen. Die nun folgenden Entwicklungen werden entscheidend dafür sein, ob daraus ein strategischer Gewinn für Brüssel erwachsen wird. Washington jedenfalls verbucht bereits jetzt den EU-Entscheid als „Etappensieg“ für sich und seine Politik.

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The Significance of the Opening of EU Accession Negotiations with Turkey and its Implications for Europe and the U.S.A.

[Abstract]

Englische Ausgabe 1/05

Hinweis: Dieser Abstract bezieht sich auf die deutschsprachige KFIBS-Analyse von Özlem Yeşilkaya mit dem Titel „Die Bedeutung der Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei für Europa und die USA", die in der „Deutschen Ausgabe 1/05" veröffentlicht wurde.

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